Kellertheater Bremgarten
Schellenhausplatz
5620 Bremgarten AG

Gastspiel

Samstag, 21.04.2012, 20.15 Uhr

Kaspar Lüscher

Ein Kind unserer Zeit

nach Ödön von Horvaths Roman

Ödön von Horváths Roman “Ein Kind unserer Zeit” schildert eine Problematik, die heute, über 70 Jahre nach seinem Erscheinen, immer noch aktuell ist. Kaspar Lüscher holt diesen berührenden Text und die wundervoll poetische Sprache des Autors mit den Mitteln des Theaters auf die Bühne. “Ein Kind unserer Zeit” – ein Theaterabend, der menschliche Konflikte durch alle Zeiten hindurch am Nerv trifft.

Mit dem Roman, der von den Nazis verboten wurde, übte Horváth offensichtliche, heftige Kritik am Deutschland unter Adolf Hitler – und das obwohl mit keinem Wort der Ort der Handlung verraten wird. Hintergrund für das Schreiben von Ein Kind unserer Zeit waren die Besetzung des Rheinlandes und die Unterstützung Francos im Spanischen Bürgerkrieg durch Truppeneinheiten Hitlers. Horváth will über die Gefahr und Verbrechen des Nationalsozialismus aufklären; warnen, nicht blind den hohlen Sprüchen und Phrasen zu folgen und gewissenhaft zu handeln. Zudem lässt er sehr gelungen die negative Stimmung der Zeit spüren und zeigt ihre Konsequenzen. Das wiederholte Motiv des Kälterwerdens steht dabei für die gesellschaftlichen Zustände. Sowohl Jugend ohne Gott als auch Ein Kind unserer Zeit sind mehr als aufklärerische Erzählungen über die Gefahr des Faschismus und der Obrigkeitsgläubigkeit. Sie sind auch literarische, sprachgewaltige Meisterwerke, heute aktueller denn je.

Kaspar Lüscher Geschichtenerzähler, Autor, Regisseur, Schauspieler, lebt im aargauischen Gipf-Oberfrick. Langjähriges Ensemblemitglied bei der claque in Baden und bei Coprinus in Zürich. Er hat sich auch mit regionalen Geschichten einen Namen gemacht. Immer wieder tritt er aber auch wieder mit einer Weltgeschichte auf die Bretter. Als Autor und Schauspieler, mit Erfolgen auf der Bühne («Rendez-Vous»), in Film und Fernsehen, faszinierte er ein grosses Publikum. Ebenso wirkte Kaspar Lüscher unter anderem in Filmen wie «Blue Mountain» mit.

Ödön von Horváth wird am 9. Dezember 1901 in Fiume (heute Rijeka, Kroatien), im ungarischen Teil der K.u.K. – Doppelmonarchie, geboren. Sein Vater ist Diplomat, und die Familie muss deshalb öfters den Wohnsitz wechseln. So verbringt Horváth seine Jugendjahre in Belgrad, Budapest, München, Bratislava und Wien. Dort besteht er die Matura. Im Herbst 1919 beginnt er in München zu studieren: Psychologie, Literatur, Theater- und Kunstwissenschaften. Er schliesst allerdings kein Studium ab, sondern beginnt schon bald eine Laufbahn als freier Schriftsteller. Ab 1923 lebt er in Berlin und Murnau (Bayern). 1926 werden seine ersten Stücke aufgeführt. 1933 verbieten die Nationalsozialisten verschiedene seiner Werke. Er verlässt Deutschland und nimmt Wohnsitz in Wien. Nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich emigriert er 1938 vorerst nach Budapest und reist dann weiter nach Prag, Triest, Venedig, Mailand, Zürich, Amsterdam und Paris. Er hegt Pläne, sich in der Schweiz niederzulassen. Am 1. Juni 1938 wird er in Paris auf den Champs-Elysées während eines Sturms durch einen herabstürzenden Ast erschlagen. Horváth ist vor allem als Theaterautor berühmt geworden. Seine bekanntesten Stücke sind: Zur schönen Aussicht (1927), Italienische Nacht (1920), Geschichten aus dem Wiener Wald (1931), Glaube Liebe Hoffnung (1932), Kasimir und Karoline (1932), Eine Unbekannte aus der Seine (1932), Don Juan kommt aus dem Krieg (1937), Figaro lässt sich scheiden (1937), Der Jüngste Tag (1937). Als wichtigste Prosawerken gelten die drei Romane: Der ewige Spiesser (1930), Jugend ohne Gott (1938), Ein Kind unserer Zeit (1938). Seine Stücke nehmen die Tradition des Wiener Volkstheaters auf und bringen die kleinbürgerliche Gesellschaft mit ihrer untergründigen Bösartigkeit auf die Bühne. In seinen späten Romanen wird die kritische Auseinandersetzung mit dem aufkommenden Nationalsozialismus zu einem zentralen Thema. – Im Kellertheater Bremgarten waren schon Hin und Her, Der Jüngste Tag und Figaro lässt sich scheiden auf der Bühne zu sehen.

Online-Platzreservation ist leider zur Zeit für diese Vorstellung nicht möglich.

Original: Ödön von Horvath
Inszenierung: Kaspar Lüscher
Regie: Raphael Bachmann

Die Gastspiele im Kellertheater Bremgarten werden freundlich unterstützt durch:

Vor der Aufführung findet eine Einführung, durch die Volkshochschule Region Bremgarten, statt. Anmeldung bitte bis Donnerstag 12. April 2012 unter:

www.vhs-aargau.ch

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