Kellertheater Bremgarten
Schellenhausplatz
5620 Bremgarten AG

Gastspiel

Samstag, 11.12.2010, 20.15 Uhr

Guy Krneta, Greis & Apfelböck

Winnetou Bühler

Spoken Words meets Rap: LiteRaptur

Winnetou Bühler hat den Kämpfer im Blut. Geerbt von seinem Vater San, einem Aktivisten der 80er Krawalle in Zürich, denen er auch zum Opfer fiel. Von Polizisten niedergeknüppelt stirbt San noch vor Winnetous Geburt an den Folgen eines Schädelbruchs. Winnetou wächst mit seiner Mutter Maya Bühler auf, einer Comic-Zeichnerin. „Nüt aus ä typische Durchschnittsbürger“ wird Winnetou im Stück Ghüderchübu genannt. Ein ganz normaler Schweizer Junge, so scheint es zumindest anfangs. Doch wird sich die Figur mit dem ungewöhnlichen Namen noch als durchaus interessant herausstellen. Winnetou wächst in Wabern auf, kifft und trinkt, und kommt in der Jugend wegen Sprayereien mit dem Gesetz in Konflikt. Die Mutter, eine Alt-80erin, lebt zwischen einem „bürgerlichen“ Alltagsjob bei Franz Carl Weber und ihrer Passion fürs Comic-Zeichnen. Während der Zuschauer durch das Leben des Winnetou und seiner Familie geleitet wird, offenbart sich ihm immer mehr die Tiefen der Figur. So schwebt Winnetou zwischen Bewunderung für seinen legendären Vater und Schuldzuweisungen. Er wird beeinflusst durch die Büchersammlung von San, übernimmt sein revolutionäres Denken. Gleichzeitig aber sieht er seine eigene Bindungsangst als Resultat von Sans heroischem aus dem Staub machen (Sich u di Angere).

Musikalisch perfekt untermalt, bietet Winnetou Bühler eine stimmungsvolle und packende Geschichte. Winnetou Bühler ist eine Ansammlung von Schnappschüssen der Protagonisten, aufgenommen aus verschiedenen Perspektiven. Krneta, Greis und Apfelböck dokumentieren stimmungsvoll das Leben des Winnetou, springen dabei zwischen den Erzählebenen und Zeiten hin und her. Da werden einzelne Episoden aus der Sicht einer aussenstehenden Erzählinstanz geschildert, aber auch Gefühlswelten durch die Protagonisten selber offen gelegt. Den Akteuren gelingt eine Mischung aus Witz, sprachlicher Gewandtheit und Melancholie, die dem Werk von Mani Matter so nahe kommt, wie schon lange nichts mehr aus dem Bereich “Mundart”, während sie gekonnt der Schweiz und deren Vorurteilen einen Spiegel vorsetzen.

Text
Guy Krneta
Rap
Greis (Grégoire Vuilleumier)
Musik
Jakob Apfelböck (Ueli Kappeler)

© 2008 – Kellertheater Bremgarten